Veranstaltungsort mit Kinoflair
Seit Beginn des Jahres 2006 ist das Kronenkino nicht nur Festivalkino . Es bietet auch Raum für vielfältige Veranstaltungen , wie Konzerte, Lesungen, Kleinkunst, Theater und wöchentliche Filmveranstaltungen. Außerdem dient es als Filmkulisse für diverse Dreharbeiten. Dieses breite Angebot bereichert das Kulturleben in der Dreiländerecksstadt.
Der Ursprung
Viele Namen verbinden die Zittauer mit dem Haus in der Äußeren Weberstraße 17. Leicht schräg gegenüber des ehemaligen Volkshauses wissen nur noch wenige, dass beide Gebäude einstmals ein Ensemble der Kultur und des Amüsements waren. Namen wie Filmbühne, Flohkino, Klub der Werktätigen sind geläufiger, aber auch seit einigen Jahren wieder Kronenkino. Wer aufmerksam die verfallende Fassade betrachtete, entdeckte nicht wenig von dem einstmals verkündendem Prestige des ersten Lichtspielhauses Zittaus. Neben der noch sichtbaren klassizistischen Fassade und dem mit geschliffenem Glas reichlich ausgestatteten Vestibül, war es eine einsame Fahnestange, die gekrönt vor sich hinrostend von besseren Zeiten kündete. Die gab es vor knapp 100 Jahren, als der Hotelier Otto Richard Petzold in der Weberstraße neben seiner Gaststätte „Drei Kronen“ und dem „Kronenhotel“ (später Volkshaus) die Idee hatte, einen Amüsierkomplex für Zittau zu errichten. Im Dezember 1912 nahm das erste Lichtspieltheater Zittaus, das Kronenkino, seinen Betrieb auf. Der Kinosaal umfasste zu dieser Zeit 374 Plätze, mit Loge, Sperrplätzen und normalen Sitzen. Vorraum und Kino waren mit Kronenleuchtern bestückt und vielen Ornamenten, wie z.B. einer Krone, Schmetterlingen u. ä., die zum Teil heute noch erhalten sind. Unterhalb der Leinwand befand sich der Bereich für die Musiker.
Betrieben wurde der Lichtspielbetrieb mittels eines Gasmotors und dazu gehörigem Dynamo. Gezeigt wurden Filme wie „Casanova“ mit Iwan Mosjukin, „Der Meistersinger von Nürnberg“ von Hans Sachs, „Metropolis“ von Fritz Lang und viele Kulturfilme (heute würde man sie Dokumentarfilme nennen) über Vorgänge und Entwicklungen auf den verschiedenen Gebieten der Wissenschaft, Kunst, Technik, Natur , Sport, Gesundheit und Medizin. Zur Unterstützung dieses Filmprogramms gründete sich 1928 die Zittauer Kulturfilm-Gemeinde. Bis zum Mauerfall Im September 1928 wurde im Kronenlichtspiel der erste Tonfilm gezeigt. Das Besondere daran: Zittau war nach Berlin, wo zur 5. Funkausstellung der Tonfilm vorgestellt wurde, die erste deutsche Stadt, die den Tonfilm vorführte. Die Zittau Nachrichten und Anzeiger vom 26.09.1928: “ … ein technisches Wunder ! … und hätte doch nicht erschöpfend erzählt, was der Tonfilm dem Gesicht und dem Ohr seiner Bewunderer bietet.“
Ab 1930 übernahm Bruno Jezek die Kronenlichtspiele von O. R. Petzold. (Herr Jezek kam aus Decin und hat eine Lehre zum Kellner absolviert) Kurze Zeit später erwarb er auch das Palastkino und das Abachenkino in Zittau, sowie das Lichtspielhaus in Reichenau und Ebersbach. 1932 bittet er seinen in Amerika lebenden Sohn Herbert Jezek, die Firma „Vereinigte Spielhäuser Zittau“ zu übernehmen. Herbert Jezek wird während des Krieges zum Militär einberufen. In dieser Zeit kümmert sich seine Frau um die beiden Zittauer Kinos. Es laufen vornehmlich Propaganda- Filme der Nazis. 1945 wird das Kino kurzzeitig geschlossen und die Familie Jezek durch die Sowjets zwangsenteignet.
Bruno Jezek jun. (Enkel von Bruno Jezek sen.) erinnert sich:
„Meine Tante Ruth Noack war gelernte Schneiderin. Sie arbeitete allerdings auch schon mehrere Jahre an der Kasse, bis zur Schließung 1945. Die Winter waren kalt, es gab wenig zu Essen und an neue, warme Kleidung war erst gar nicht zu denken. So kamen meine Mutter und meine Tante auf die Idee, das Kinoinventar zu benutzen. Tante Ruth nahm eine Leiter, kletterte kurzerhand hinauf und schnitt sämtliche Vorhänge ab, die sich im Eingangsbereich, der Garderobe und in den Logen befanden. Die Stoffe waren schwer, die Leiter wackelig und nicht nur einmal wäre sie fast von der Leiter gestürzt. Uns Kindern bereitete das damals einiges Vergnügen. Aus diesem Stoff nähte Tante Ruth mir und meiner Schwester schwere, lange, rote Mäntel. Uns gefielen die Mäntel überhaupt nicht, wie man sich vorstellen kann. Und wir wurden in der Schule dafür ausgelacht, aber wir mussten wenigstens nicht frieren. Das war 1945 und unsere letzte Begegnung mit dem Kronenkino als Besitzer. Viele Jahre später, zu DDR-Zeiten, habe ich dann in meinem Kino wieder arbeiten können bis 1989.“ Zur Zeit der DDR wurden einige bauliche und inhaltliche Veränderungen vollzogen. So verschwanden u.a. der Orchestergraben und viele kleine Details. Auf Schlichtheit wurde Wert gelegt, wie die Begradigung und Zusammenlegung von Räumen. Dennoch achtete man auf hochwertige Technik. 1988 wurde das Kino renoviert. In dem Kinosaal, dem „Klub der Werktätigen“ fanden in den 80iger Jahren Lesungen, Partei- und andere Betriebliche Veranstaltungen, Schuleinführungen, Jugendweihen und ab und zu auch Filmveranstaltungen statt. Bruno Jetzeks Versuch, das Kronenkino nach der friedlichen Revolution 1989 zu restituieren, scheiterte an den Reglungen des Einigungsvertrages zwischen DDR und BRD.
Heute und in Zukunft Neues Leben zog 1990 in das Kronenkino ein. Gerhard Sperling mit seinem PEZ mietete den Saal von der Stadt Zittau für Weiterbildungen in Sachen Computeranwendung und Existenzgründung. Nach ihm zogen die Zeugen Jehovas in den 8 Meter hohen Saal und nutzten ihn für ihre geistliche Verkündigung. Ab 1992 kehrte Ruhe ein. Notdürftig, aber ausreichend für den Erhalt, sicherte die Wohnbaugesellschaft den Saal vor größeren Schäden nach einem großflächigen Regenwassereinbruch, der bis heute von der ungenutzten Zeit kündet.
Der Alraune e.V. begann zu Beginn des 21. Jahrhunderts dem Ort seinen Namen und seine ursprüngliche Bestimmung zurückzugeben. In den warmen Jahreszeiten wurden im Kronenkino erstmals wieder Filme gezeigt.
Der Charme der Gründerzeit war für den Besucher immer noch erlebbar, genauso wie der modrige Geruch den Besucher riechen lies, dass man noch sehr nah am ursprünglichen Original war. Unterstützt vom Kunstbauerkino und der Kulturfabrik, die ihrerseits dem nichtkommerziellen Kinofilm mit ihren Filmtheatern in Großhennersdorf und Mittelherwigsdorf seit Mitte der 90iger einen würdigen Platz in der Kulturlandschaft der Oberlausitz sicherten, suchte man nach einer Idee für eine regelmäßige Nutzung. Sie wurde gefunden. Am 16. Juni 2004 öffnete das alte Zittauer Lichtspieltheater seine Pforten als Festivalkino für das 1. Neißefilmfestival im Dreiländereck. Dem einzigen Wettbewerbsfestival für Spielfilme in Sachsen folgten seither weitere und auch das nächste im Jahr 2012 ist fest ins Visier genommen.
Dann wird zum neunten Mal ins Festivalkino Kronenkino geladen.
Die Hillersche Villa, das soziokulturelles Zentrum in der Stadt Zittau, war von Beginn an beim Neißefilmfestival dabei und suchte in dieser Zeit mehr Platz, weil es in ihren Räumen mittlerweile zu eng wurde. Ende 2005 schließen die Wohnbaugesellschaft, die Stadt Zittau und das Multikulturelle Zentrum e.V. einen langjährigen Nutzungsvertrag mit dem Ziel, das Kronenkino als alte Zittauer Kulturstätte dauerhaft zu erhalten und für soziokulturelle Zwecke zu nutzen.
Seit Beginn des Jahres 2006 ist das Kronenkino nicht nur Festivalkino des Neißefilmfestivals. Konzerte, Lesungen, Kleinkunst, Theater und seit dem 11. Oktober 2006 auch wöchentliche Filmveranstaltungen bereichern das Kulturleben in der Dreiländerecksstadt.
Im Jahr 2009 nahm die Hillersche Villa das Kronenkino inklusive des Wohnhauses über einen Erbaurechtsvertrag für die nächsten Jahre in ihren Besitz und ist bestrebt, mit soziokulturellen Angeboten das Haus und das Kino zu beleben.
Die Fassade sowie die gekrönte Fahnenstange erstrahlen seit 2010 wieder im alten, neuen Glanz und das Haupthaus ist renoviert. Es beherbergt die Kreativwerkstätten im „kunstWERK“, eine Büroetage sowie Wohnungen, die bereits bezogen sind. Im Januar 2012 erhielt das Kino eine moderne Bestuhlung, die 182 Besuchern einen gemütlicheren Kinobesuch ermöglicht. Der II. Bauabschnitt – die Sanierung des Kinos – ist in Planung, um den Spielbetrieb zu erweitern und das „neue“ Kino von Besuchern und Akteuren in Besitz nehmen zu lassen.